An dieser Stelle berichten wir von Neuigkeiten und besonderen Ereignissen aus dem Schulleben - von A wie Abiball bis Z wie Zeugnisausgabe.

mit Werken von Beethoven, Stamitz, Scott Joplin und mit Filmmusiken

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„Freudvoll und leidvoll, gedankenvoll sein;

Langen und bangen in schwebender Pein;

Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt;

Glücklich allein ist die Seele, die liebt.“

Wer kennt sie nicht, die weltberühmten Worte Klärchens im dritten Aufzug von Goethes Trauerspiel „Egmont“? Klärchen, die später im fünften den nahen Tod des geliebten oppositionellen Adeligen Egmont ahnt und einen erfolglosen Versuch unternimmt, ihn aus dem Kerker zu befreien, wird sich am Ende des Stückes umbringen. Mit diesem schweren Stoff und der ebenso schwierigen Vertonung des Egmont durch Beethoven begann das JugendSinfonieOrchester unter der Leitung von Axel Bähr sein diesjähriges Sommerkonzert in der buchstäblich kochenden Wandelhalle. Der wuchtige, oft bedrohliche Klang des Streichorchesters, welcher die überhitzten Zuhörer eindringlich an ein (erhofftes) Gewitter am Abend erinnerte, wurde von Axel Bähr und dem JugendSinfonieOrchester in einen reizvollen Gegensatz zu den meist zarten Akkorden der Bläser gestellt. Besonders die Trompeten konnten hier mit sehr guter Intonation und einer reinen Klanggebung brillieren.

b_150_100_16777215_01_images_2015-16_Sommerkonzert_IMG_3588_bearb.jpgEs folgte ein erstes Highlight des Abends – das Konzert Nr. 3 für Klarinette und Orchester in B-Dur von Karl Stamitz, das vor allem durch die hervorragende Vorstellung von der Abiturientin Lorena Beil an der Klarinette überzeugte. Die Solistin vermochte es, durch die mühelose Ausarbeitung der oft sehr raschen Läufe, durch ihre Fähigkeit, den schelmischen Witz dieser Musik zu transportieren und durch ihre gelassene, souveräne Art das Orchester zusammenzuhalten und in ein harmonierendes Musizieren zu ermöglichen.

Nach diesen zwei klassischen, sehr anspruchsvollen Stücken folgte nun ein Arrangement nicht geringeren Anspruchs, welches jedoch wesentlich jüngeren Datums ist: der Ragtime Concert Waltz „Bethena“ Scott Joplins in einer Bearbeitung von Christoph Unger. Christoph Unger, selbst Mitglied des Orchesters, ließ es sich nicht nehmen, sein Arrangement selbst zu dirigieren und so konnten die Zuschauer nun das JugendSinfonieOrchster einmal unter einer anderen Leitung als Axel Bährs erleben. Auch hier zeigte sich das Orchester souverän und dem Stoff gewachsen: Der besondere Reiz der Orchestrierung, der in dem Gegensatz zwischen den jazzigen Akkorden der Blechbläsern und den einzelnen Solostimmen einzelner Instrumente bestand, wurde durch die Musiker sehr schön ausgestaltet.

b_150_100_16777215_01_images_2015-16_Sommerkonzert_IMG_3597_bearb.jpgMit einer szenischen Einlage des Dirigenten Axel Bährs und der Konzertmeisterin Marie-Luise Zenker sowie anderen Orchestermitgliedern wurde schließlich das letzte Stück vor der Pause auf kurzweilige Art eingeleitet: Wolfgang Schroeders Bearbeitung von Mozarts „Kleiner Nachtmusik“. Und tatsächlich konnte der Zuhörer – angeregt durch die kleine Inszenierung eines ungehorsamen (oder unfähigen?) Orchestermusikers im Voraus – bei dieser Parodie der Nachtmusik einzelne Anklänge auf andere Orchesterwerke oder auch Volkslieder heraushören, die den Eindruck übermittelten, das Orchester spiele eben nicht das, was der Dirigent verlange, sondern das, was ihm so während der Nachtmusik in den Sinn komme.

Nach der Pause widmete sich dann das Orchester aktuelleren (Filmmusik-)Komponisten wie John Williams (Theme from Star Trek) und Yann Tiersen (Suite d‘Amélie). Diese beiden Stücke hatten es dem Orchester sichtlich angetan, das frisch und voller Elan das Thema aus Star Trek intonierte und mit den Auszügen aus dem bekannten Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ der Hitze einen schwerelosen Klangteppich entgegenstellte.

b_150_100_16777215_01_images_2015-16_Sommerkonzert_IMG_3608_bearb.jpgb_150_100_16777215_01_images_2015-16_Sommerkonzert_IMG_3609_bearb.jpgMit der folgenden Inszenierung der Filmmusik aus Batman (Hans Zimmer: The Dark Knight Rises) folgte ein zweiter Höhepunkt des Abends. Das JugendSinfonieOrchester entführte gemeinsam mit der Tanz AG des Deutschorden-Gymnasium unter der Leitung von Nadine Koschack die Zuhörer in die Kühle der Nacht, die von fabelhaften, schwarzen Wesen und ihren Kämpfen beherrscht wurde. Gebannt von den eleganten, gleitenden Bewegungen der Tänzerinnen und ihrer spannenden, auf die Musik symbiotisch abgestimmten Choreographie, vergaßen die Zuhörer augenblicklich Zeit und Raum (samt Hitze). Es bleibt zu hoffen, dass solche Kooperationen zwischen Tänzern und Orchestermusikern öfter angeregt werden!

Doch das JugendSinfonieOrchester kann nicht nur den Zuhörer in andere Welten hineinversetzen – es hat auch „den Groove“, wie es eindrucksvoll mit Ted Ricketts „Satchmo! A Tribute to Louis Armstrong“ bewies. Die Zuhörer wurden sofort von den schwungvollen Rhythmen, von den weichen Klaviertönen und dem kräftigen, schwungvollen Forte des Tutti mitgerissen.

Beim letzten planmäßigen Stück des Abends, „Two Steps from Hell“ in einem Arrangement von den Orchestermitgliedern Katharina Kühn und Angelina Damer sowie Axel Bähr, zeigte das Orchester noch einmal final sein ganzes Können.

Dass die Musiker nicht nur spielen, sondern auch reden können, hatten Timo de Pascaliund Anette Holl im Laufe des Abends hinreichend bewiesen: Beiden führten mit viel Witz und ironischem Charme durch das Konzert.

b_150_100_16777215_01_images_2015-16_Sommerkonzert_IMG_3615_bearb.jpgDie begeisterten Zuhörer dankten ihnen und allen anderen Mitwirkenden nicht nur damit, tatsächlich die zweieinhalb Stunden des Konzerts im heißen Saal auszuharren, sondern auch mit großem Jubel und Applaus. Nach zwei fulminanten Zugaben (Ausschnitten aus den Filmmusiken „The Lion King“ und „Old Shatterhand“) und einer herzlichen und eloquenten Dankesrede unseres vertretenden Schulleiters Herrn Schlegl endete schließlich dieser spannende, kurzweilige sowie erfüllende Abend und Schüler, Lehrer, Eltern und andere Zuhörer zerstreuten sich in die laue Sommernacht.

Vielen Dank für den schönen Abend!

Luise Börner